Akzeptanz führt zu Übereinstimmung

Akzeptanz führt zu Übereinstimmung

Schneeflocke - VerantwortungKonflikte und Lösungsfindung, ein heikles Thema! 

In meiner Praxis werde ich täglich mit Konflikten konfrontiert, die durch Missverständnisse und Fehlinterpretationen entstehen. Es stellt immer eine Herausforderung dar, an dieser Stelle gute Lösungen zu finden.

Basis für ein entspanntes Miteinander ist, die eigenen Gefühle und Emotionen zu differenzieren und zu (er-)kennen. Hier setzen viele Kommunikationsmodelle an: Bedürfnisse erkennen, Ich-Aussagen und Wünsche formulieren…

Doch ebenso wichtig ist, die Bedürfnisse und Gefühle anderer wertfrei zu akzeptieren.
Menschen machen völlig unterschiedliche Erfahrungen: Kultur, Umfeld, Eltern, Lehrer, Erzieher, Werdegang, Schulbildung, Erlebnisse und Erfahrungen… unzählige Faktoren haben Einfluss auf Prägung, Charakter und Verhalten eines Menschen.

Jeder nimmt seine Realität durch seinen Filter wahr!

Jedes Kind entwickelt seine eigenen (Lösungs-)Strategien. Abhängig von seinem Umfeld, Fähigkeiten und Möglichkeiten.

So lernt Kind A z.B. aufgrund der Umstände, in denen es aufwächst, Lösungen alleine und ohne die Beteiligung anderer zu kreieren. Es zieht sich zurück, findet einen Platz, an dem es ungestört ist und geht „in sich“. Es weint sich aus oder tobt und wütet vor sich hin. Niemand bekommt seine Gefühle ab – und keiner bekommt sie mit. Unbeobachtet fühlt es sich wohl und sicher.

Durch dieses Gefühl der Sicherheit gewinnt es seine Stabilität wieder. Lösungen tauchen aus seinem Inneren auf – es überblickt, was wirklich geschah, wo es emotional überreagiert hat, es erkennt seinen eigenen Anteil am Geschehen, und sieht, was nötig ist, um die Situation zu verändern/verbessern.

Mit diesem Wissen tritt es wieder in Kontakt mit dem Umfeld. Es bringt seine Lösung ins Feld.

Kind B hingegen lernt in einer großen Familie, die mit mehreren Generationen unter einem Dach lebt , Lösungen gemeinsam am Küchentisch zu entwickeln. Jedes Probleme wird miteinander diskutiert. Ein ums andere Mal wird alles besprochen, nachgefragt, hinterfragt, angeschaut – bis eine Lösung gefunden wird (Manchmal auch nur, bis ein neues Thema den familiären Fokus an sich reisst).

Dieses Kind lernt in direkter Konfrontation und Austausch mit Anderen. Es findet Möglichkeiten, sich Gehör zu verschaffen, sich auszudrücken und lernt (vielleicht) Kritik auszuhalten.

Kind B erlebt die Lösung mit anderen in einem gemeinsamen Feld.

[Zwischen A und B gibt unzählige Schattierungen… und natürlich etliche Varianten bis x, y, Z!]

 

Beide Kinder wachsen heran und etablieren ihre Muster, Lösungen zu finden.

Wie reagieren nun wohl zwei Erwachsene, die solch unterschiedliche Prägungen in sich tragen, wenn sie einen Konflikt miteinander erleben?
>> Person A zieht sich – wie gewohnt – zurück und sucht die Lösung „in sich“.
Dieses Verhalten wird Person B ist völlig irritieren. Sie sieht und erlebt den Rückzug des anderen als persönlichen Angriff. Sie fühlt sich abgelehnt, unwichtig, ausgegrenzt.
Das Verhalten von Person A löst Emotionen aus: Trauer, Wut, Schmerz, Ablehnung, Widerstand…

>> Person B wünscht sich, dass das Problem gemeinsam geklärt wird. Wie gewohnt soll man vereint an einen Tisch sitzen und miteinander sprechen!
Person A ist völlig überfordert von diesem Verhalten. Sie weiß nicht, was Person B „hören will“, kann den vielfältigen Gedanken und Aussagen nicht folgen, fühlt sie sich nicht verstanden, und muss sich nun auch noch erklären.
Das Verhalten von Person B löst Emotionen aus…
Beide stehen überrascht voreinander und verstehen einander nicht! Was ist hier los? Weshalb löst das eigene Verhalten solche (ungewollten!) Reaktionen im anderen aus?

Es ist klar, dass es hier nicht mehr das eigentliche Problem geht. Vielmehr wird die unterschiedliche Herangehensweise, Konflikte zu lösen unmittelbar weitere (vielschichtige!) Konflikte auslösen.
Nur – was hilft?
Eine gute Voraussetzung ist, wenn eine Person das Verhalten der anderen verstehen oder/und akzeptieren kann. Vor allem jedoch über ihren Schatten springen kann!

Auf den ersten Blick könnte man auch meinen, ein Kompromiss sei eine gute Lösung: Ließe man Person A genügend Zeit zum Rückzug, könnte man anschließend gemeinsam diskutieren.

Ein Kompromiss ohne Verständnis oder Akzeptanz ist natürlich gut gemeint, jedoch nur selten eine gute Lösung!

Auf einer emotionalen Ebene wird immer innerlich bilanziert: „Ich habe Dich nun x mal verstanden und gewartet, bis Du mit Deiner Lösung ankommst. Nun will ich endlich mal auch verstanden werden.“
Es kommt zu einem inneren Ungleichgewicht, das früher oder später unerfüllbare Forderungen und Erwartungen nach sich zieht und eskaliert.
Erst, wenn wir bereit sind, den anderen zu akzeptieren und lassen können, wie er ist, können Konflikte wirklich gemeinsam gelöst werden.

Gemeinsam heißt in diesem Falle nicht, Person A verbiegt sich für Person B (oder umgedreht). Gemeinsam bedeutet, in Übereinstimmung miteinander. Denn:

Akzeptanz führt zur Übereinstimmung.