In der eigenen Selbst-Sicherheit stehen

In der eigenen Selbst-Sicherheit stehen

2015-10-09 18.45.23

Vor einigen Jahren gab ich einen Meditationskurs in einem Saal, in dem zwei Uhren hingen, die gegengleich tickten.

Nach einer kurzen Einführungsrunde lagen die Teilnehmer/innen auf ihren Matten auf dem Boden. Gerade, als ich mit der Tranceinduktion beginnen wollte, sprang eine Teilnehmerin auf und rief erbost: „Du musst sofort diese Uhren abhängen, so kann ich unmöglich entspannen!“

Gibt es eine bessere Vorlage für ein Entspannungstraining?

Meine Antwort, die ich heute noch gerne anbringe:

„Als Eremit in einer Berghöhle zu entspannen und zu meditieren, ist einfach. Das kann jeder. Und – ist es auch realistisch? Kannst Du einen völlig stillen und stressfreien Raum um Dich herum gestalten?

Die Kunst liegt darin, Entspannung in all den Herausforderungen unseres Alltags und unserer Umwelt zu finden. Wenn du an einer vielbefahrenen Kreuzung stehen und dabei innerlich tief entspannt und gelassen sein kannst, DAS ist Entspannung!“

 


Diese Betrachtungsweise zieht sich wie ein roter Faden durch meine gesamte Arbeits- und Lebensphilosophie:

Ich lebe und lehre die Kunst, in all dem Trubel in der eigenen Mitte und Kraft zu stehen. In der eigenen tiefen Selbst-Sicherheit zu ruhen, statt unbewusst auf äußere Umstände zu reagieren. Ganz gleich, was im Außen geschieht.

Gerade in der spirituellen Szene treffe ich immer wieder Menschen, die erzählen: „Ich schaue schon lange keine Nachrichten/lese keine Zeitungen mehr“, „Ich belaste mich nicht mit diesen negativen Energien“ oder „Ich richte meinen Fokus ganz auf das Positive aus“.

Sensitive Menschen bekommen sowieso (körperlich und seelisch) mit, was „draußen los ist“. Auch wenn sie sich nicht mit dem Weltgeschehen befassen. Sie spüren die Energie. Sie haben körperliche oder seelische Symptome, „lassen sich in etwas hineinziehen“, fühlen sich von „Energievampiren ausgesaugt“ oder extrem gestresst und dünnhäutig.

Hier hilft die Vogel-Strauß-Methode auch nicht. Es ist nicht damit getan, einfach „nicht-hinzusehen“ oder uns „abzugrenzen“!

Wir leben in der Polarität – ein einfaches Gesetz, selbst wenn es zur Umpolung (Polsprung) kommt! Alles hat zwei Seiten – daran können wir nichts ändern. Was wir jedoch beeinflussen können, ist unsere Sichtweise. Dualität – die Art und Weise, wie wir Dinge bewerten und mit ihnen umgehen.

Etwas abzulehnen, indem wir nicht hinsehen, gibt dem ausgeblendeten Thema genauso viel Energie, wie direkt hinzuschauen. Ebenso eine Ablehnung, indem wir uns schützen oder abgrenzen.

Kannst Du hinsehen und dabei ganz bei Dir bleiben? Kannst Du all das Elend, den Schmerz, die Angst, das Schlechte, die Kriege und den Terror sehen und dabei ganz in Deiner Mitte bleiben? Ohne Dich aufzuregen? Ohne mit zu leiden (nicht zu verwechseln mit Mitgefühl!) oder in Weltenschmerz zu verfallen? Ohne Energiepakete und –vampiere auf den Schulter zu tragen oder im seelischen Burnout zu landen?

Dann, wenn Dir das wirklich gelingt, bist du frei. So frei, dass Du die Energie halten kannst. Verbunden mit deiner inneren Stabilität, verwurzelt und in Deiner Kraft.

Dann kannst Du andere unterstützen (wenn Du das möchtest). Weil Du ihre Ängste und ihren Schmerz nachvollziehen kannst. Weil Du hinsehen kannst. Aushalten kannst. Stärke und Selbstsicherheit vermitteln und weitergeben kannst.

Und wenn Du niemanden unterstützen willst – auch Dir tut es einfach gut, in dieser inneren Stabilität zu stehen. Du bist frei, handlungsaktiv und hast Ressourcen, auf die Du zurückgreifen kannst.

Wir könnten einfach sagen, Du richtest Deinen Fokus auf die Liebe, statt auf die Angst –

IM GROSSEN WIE IM KLEINEN!